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Selbstexperiment Haarseife

Das schäumt!

von Susanna Bolz, 26.06.2017

2016 wurden in Deutschland 784.000.000 Flaschen Haarpflegemittel und 537.000.000 Flaschen Duschgel und Badezusätze verkauft, das sind knapp 10 bzw. 7 Flaschen pro Person. Wer Verpackungsmüll reduzieren will, kann also hier leicht ansetzen, indem er/sie flüssige Duschgele und Shampoos durch Seifenstücke ersetzt. Seife statt Duschgel zu verwenden, ist keine Herausforderung. Aber Haare mit einer Seife waschen, funktioniert das wirklich?
Eine kleine Umfrage im Freundeskreis hat ergeben: es gibt drei Benutzerinnen von Shampoo Bars (was das ist, wird später erklärt) und zwei Benutzerinnen von Haarseife sowie eine Person, die das Waschen mit Haarseife wieder aufgegeben hat, weil ihre Haare ihr bisheriges herkömmliches Shampoo besser vertragen haben. Alle, die dabei geblieben sind, sind auch sehr glücklich mit der Umstellung. Daneben hat sich auch ein Mann gefunden, der auf Haarseife umgestiegen ist und auch weitere Freunde überzeugen konnte – das Thema ist also keine reine Frauensache! Welche Erfahrungen ich mit dem Umstieg von flüssigem Shampoo auf Haarseife gemacht habe, könnt ihr im heutigen Oikos-Blog lesen.

Seifen benötigen weniger Verpackung als Shampoo oder Duschgel in Plastikflaschen, auch weil der Anteil an waschaktiven Substanzen in einer Seife höher ist als in einem flüssigen Shampoo oder Duschgel. Ich benötige also – in Gramm gerechnet – weniger Seife als flüssiges Waschmittel, um genauso sauber zu werden. Das Angebot an verschiedensten Seifen für die Hände, zum Duschen und Waschen ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Und da ich schon lange Seife zum Duschen verwende, lag es für mich nun nahe, auch mal Seife für die Haare auszuprobieren.

Das Besondere am Markt für Seifen ist, dass es viele kleine Manufakturen gibt, die die Seifen in Handarbeit herstellen und im Internet oder auf verschiedenen Märkten verkaufen. Das Gute daran: man kann kleine Unternehmen unterstützen. In Köln gibt es zwei Läden, die Haarseife verkaufen, der Unverpackt-Laden Tante Olga und Vita Verde. Viele der Produkte haben kein Bio-Siegel, dennoch gibt es viele Hersteller, die Seifen aus natürlichen Rohstoffen und Bio-Anbau verwenden. Die Liste an Inhaltsstoffen sollte man sich also immer anschauen, zumal wenn man auf Inhaltsstoffe auf Erd- oder Palmölbasis verzichten möchte und auf biologischen Anbau oder vegane Produkte Wert legt.

Grundsätzlich kann man bei festen Haarwaschmitteln zwischen Haarseifen und sogenannten Shampoo Bars unterscheiden. Shampoo Bars sind herkömmlichen Shampoos am ähnlichsten, manche Hersteller bezeichnen sie auch mit festem Shampoo. Sie schäumen sehr stark und sind in allen möglichen Farben, Gerüchen und mit unterschiedlichen Zusätzen erhältlich. Der Vorteil von Shampoo Bars: da sie dem flüssigen Shampoo sehr ähnlich sind, sollte die Umstellung von Flüssigshampoo auf feste Produkte problemlos gelingen. Persönlich habe ich bei einer Freundin mal einen Shampoo Bar ausprobiert. Es fühlt sich ganz wie normales Shampoo an und schäumt meines Erachtens sogar ein bisschen mehr. Der Geruch ist mir etwas zu intensiv, aber das ist Geschmackssache. Meine Haare hatten nach dem Trocknen einen schönen Glanz und fühlten sich gut an. Allerdings habe ich das Gefühl vermisst, ein ordentliches Stück Seife in der Hand zu halten, der Shampoo Bar fühlt sich sehr luftig an.

Auch das Angebot an Haarseifen ist sehr groß, für jeden Haar- und Kopfhauttyp findet sich die passende Seife. Gerade am Anfang kommt man – wie auch bei normalem Shampoo – nicht um das Ausprobieren herum, bis man eine Lieblingsseife gefunden hat. Mein Tipp: Manche Hersteller (z.B. Savion oder Sauberkunst) bieten Testpakete mit mehreren kleinen Seifenportionen oder Probiergrößen an. Wer sich vorher noch über verschiedene Hersteller informieren möchte findet im Internet viele Erfahrungsberichte und Produkttests.

Ich habe mich nach kurzer Suche für eine Naturhaarseife ohne weitere Zusätze wie Aloe Vera, Olive oder anderes entschieden. Die Haarseife schäumt deutlich weniger als herkömmliches Shampoo, aber der Seifenschaum lässt sich gut in meinen kurzen Haaren verteilen. Was direkt auffällt: man muss die Seife sehr gründlich aus dem Haar spülen. Wenn man das Gefühl hat, dass Seifenreste im Haar bleiben, spült man die Haare einfach mit einer Mischung aus Essig oder Zitronensaft und Wasser aus. Bisher konnte ich alle Seifenreste mit gründlichem Auswaschen mit Wasser entfernen, aber einigen Erfahrungsberichten zufolge hängt das auch von der jeweiligen Seife ab und kann auch erst nach mehrmaligem Waschen auftreten. Nach dem Trocknen glänzt mein Haar weniger, fühlt sich aber ansonsten mindestens so gut an wie nach dem Waschen mit meinem bisherigen Lieblingsshampoo.

Mein bisheriges Fazit: es gibt ein großes Angebot an Seifen für die Haare und um das Rumprobieren kommt man leider nicht ganz herum –für den ökologischen Mehrwert aber ein durchaus lohnenswerter Aufwand. Der Verpackungsmüll wird reduziert, zudem sind in Haarseifen generell weniger Inhaltsstoffe enthalten und viele Hersteller setzen auf natürliche Inhaltsstoffe und biologischen Anbau. Die Seifen sind außerdem sehr ergiebig und, sofern natürliche Inhaltsstoffe verwendet werden, biologisch abbaubar. Wer also z.B. beim Outdoor-Urlaub nicht auf eine Haarwäsche verzichten will, kann die Haarseife in geringen Mengen auch in der Natur verwenden. Und nicht zu vergessen: man kann Seifen und Shampoo Bars in rauen Mengen im Handgepäck im Flugzeug mitnehmen. Einen Versuch ist es also allemal wert!