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Urban Gardening

Aus grau mach grün!

von Cyrill Ibn-Salem, 20.02.2017

Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen auf den WG-eigenen Balkon fallen, wird man sich wieder bewusst, dass man dort nicht bloß Altglas abstellen kann. Sofort bekommt man Lust, die verwaisten Blumenkörbe mit frischer Erde und grünen Trieben zu füllen.
Genau darum geht es bei Urban Gardening: ein Stück Großstadt der Natur zurückgeben. Und sei es nur der alte Plastikblumentopf, der neu begrünt wird.
Darin lassen sich z.B. sehr einfach Küchenkräuter anbauen, die nicht nur ausgesprochen schmackhaft sind, sondern auch den Balkon wieder aufhübschen.

Schaut man über die eigene Balkonbrüstung hinaus, finden sich aber auch zahlreiche Gemeinschaftsgärten in Köln, wo man teilweise sogar seine eigene Pflanzkiste ergattern kann. Der Kölner Stadtanzeiger hat einige lokale Garten-Projekte zusammengetragen, zu denen natürlich auch der Campusgarten gehört.

Der Campusgarten der Uni Köln (Foto: Campusgarten-Team)

Direkt an der Uni gelegen, können Studierende dort kostenlos frisches Gemüse anbauen und ernten. Außerdem steht auf dem Gelände ein Foodsharing-Verteiler, in dem man all das findet, was Supermärkte nicht mehr verkaufen möchten, was aber immer noch lecker ist. Urban Gardening kann also auch die Lebensmittelversorgung unterstützen und eine nette Abwechslung zur Nackenstarre in der Bibliothek bieten.

In vielen Städten entstehen urbane Gärten dort, wo zuvor nur Einöde und marode Industrie waren, also auf Grundstücken, die für die Stadt oder Investoren  nahezu wertlos geworden sind. Ein schönes Beispiel dafür ist Detroit in den USA. Dort haben viele Menschen durch die Folgen der Finanzkrise ihren Job in der Automobilindustrie verloren. Fabriken und Wohnungen wurden verlassen und es bildete sich neuer Raum, der u.a. durch die  „D-Town-Farms“ gefüllt wurde. Diese urbanen Gärten sollen den Menschen nicht nur Lebensmittel liefern, sondern auch einen Job und somit eine neue soziale Heimat bieten. In Detroit gibt es mittlerweile 1600 solcher Projekte, mit dem langfristigen Ziel, die Hälfte der Stadtbevölkerung aus lokalem Anbau ernähren zu können. In dieser Größenordnung ist Urban Gardening dann weniger ein Hipstertrend, als schweißtreibende, harte Arbeit.

Urban gardening-Projekt in Detroit

Der lokale Nahrungsmittelanbau unterstützt aber auch den Umweltschutz. Durch den Wegfall der Transportwege werden große Mengen an CO2 eingespart. Dazu kommt die leichtere Entsorung von kompostierbaren Abfällen und Abwässern, da diese Teil natürlicher Stoffkreisläufe sind.

Auf meinem Balkon ist es nun aber doch schon nach wenigen Tagen wieder kühl geworden… und laut den gängigen Aussaatkalendern sollte man die meisten Küchenkräuter auch erst in ein bis zwei Monaten säen. Sonst ist die Gefahr zu groß, dass der Frost sie doch noch einmal überrascht. Nur die Petersilie darf schon in zwei Wochen in den Topf!