oikos LeipzigChapter NewsHelikoptergeld und Biomimicry – Ein Nachbericht zur Konferenz „People, Economy & Planet“ in Kopenhagen

Helikoptergeld und Biomimicry – Ein Nachbericht zur Konferenz „People, Economy & Planet“ in Kopenhagen

14 Oktober 2016 | Chapter News

Am 1. und 2. Oktober fand an der Copenhagen Business School eine Konferenz rund ums Thema nachhaltiges und alternatives Wirtschaften statt. oikos Copenhagen hat dies unter anderem möglich gemacht, die hauptorganisierende Studentengruppe war jedoch „Omstilling Nu“, was so viel bedeutet wie „Wandel jetzt“. Zwischen den Vorträgen konnte man an verschiedenen Workshops teilnehmen, dabei waren die Hauptthemen sowohl der Vorträge als auch der Workshops: Basic income, work-life balance, sustainable urban development, biomimicry, inspiration for transition und money. Der erste und einleitende Input-Vortrag kam von einem jungen dänischen Soziologen und kritisierte vor allem das sogenannte „Helikoptergeld“ und die Wachstumsorientierung unserer derzeitigen Wirtschaft. Ich selbst habe am Workshop „biomimicry“ teilgenommen. Das Konzept erinnert an „permaculture design thinking“, wozu oikos Leipzig im letzten Jahr ebenfalls einen Workshop gegeben hat. Dabei geht es darum, Ideen und Lösungen für jegliche Prozesse oder Systemabläufe aus der Natur abzuschauen und dann in sozialen oder anderen innovativen Bereichen zu implementieren, unter sogenannten „life principles“. Biomimicry ist ein sehr schönes und kreatives Werkzeug um Denkprozesse und auch die „Endprodukte“ natürlicher und nachhaltiger zu gestalten und die Natur und den Menschen als Einheit zu behandeln.

Gegen Ende beider Konferenztage haben sich Start-Up Unternehmen aus Kopenhagen vorgestellt, welche transformative Ideen und alternative Ökonomie bereits in die Tat umsetzen. Vor allem fasziniert haben mich dabei zwei junge Dänen, welche sich über den übermäßigen, nicht unbedingt nachhaltigen Kaffeekonsum in Kopenhagen den Kopf zerbrochen haben. Die Überreste von gekochten Kaffeebohnen nutzen sie, um essbare Pilze herzustellen, dabei sind alle Abläufe in Logistik, Produktion und Abfall durchdacht und bilden einen geschlossenen Kreislauf, indem sie zum Beispiel alte Schiffcontainer als Gewächshaus nutzen und ihre Abfälle als Dünger an lokale Bauern weiter geben. Auch experimentieren sie gerade damit, ihre Abfälle als Insektenfutter zu verwenden und Lebensmittel auf Insektenbasis herzustellen (mehr hier: http://www.beyondcoffee.dk/). Übrig bleibt hier leider trotzdem noch das primäre Problem der Herkunft und Produktion der größten Masse des konsumierten Kaffees aber, wenigstens kein Abfall.

Insgesamt war die Konferenz bereichernd und aufschlussreich, leider konnte ich an dem zweiten Tag nicht teilnehmen. Aufgefallen ist mir allerdings bereits an dem einen Tag einiges was den Vergleich zu Deutschland angeht. Viele der Veranstaltungen an den Universitäten, auch von den Studentengruppen, sind auf Englisch und somit für internationale Studenten zugänglich, was wirklich einen großen Unterschied macht, indem mehr Menschen mit vielfältigen Hintergründen an Wandel und Bildung teilnehmen können. Gleichzeitig ist es in Kopenhagen auch einfacher zu implementieren als in Deutschland, da viel mehr Menschen sehr gutes Englisch beherrschen und somit niemand ausgeschlossen wird. Aufgefallen ist mir aber auch, dass sogar fast mehr Internationale als Dänen auf der Konferenz waren, obwohl die hauptorganisierende Studentengruppe eine dänische ist.

Was die Sensibilität bezüglich nachhaltiger Konsumkreisläufe angeht, scheint es fast so, als wäre Deutschland dort Dänemark voraus, wo Fleisch hier definitiv noch kein allzu kritisches Thema ist. Erstaunlicherweise in studentischen, alternativeren Kreisen fast genauso wie in anderen. Auch Recyclingkreisläufe werden hier noch nicht so produktiv umgesetzt wie in Deutschland, dafür dürfen Menschen hier Containern ohne dafür belangt werden zu können. Auf der Konferenz gab es ein vegetarisches Buffet und Brot einer lokalen Bäckerei, jedoch kaum veganes Essen und neben der Marmelade gab es beim Frühstück Wurst (in minimaler Menge). Also, bezüglich der Aufstriche könnte Kopenhagen auf jeden Fall kreative Unterstützung aus Leipzig gebrauchen.

Vanessa Zaccaria

Videos der Konferenz und mehr Informationen findet ihr hier:

Economy, People & Planet 2016

Und hier noch ein paar Fotos von der Konferenz:

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