oikos TübingenTermineWorkshop: „Geschichte des ökonomischen Denkens Teil I“ mit Prof. Volker Caspari

Workshop: „Geschichte des ökonomischen Denkens Teil I“ mit Prof. Volker Caspari

Nov

06 - 07

„Von Merkantilismus und Marginalrevolution“

– Die Grundlagen ökonomischen Denkens in Europa

 “Adam, Adam, Adam Smith
Listen what I charge you with!
Didn’t you say
In the class one day
That selfishness was bound to pay?
Of all doctrines that was the Pith.
Wasn’t it, wasn’t it, wasn’t it, Smith?”
Stephen Leacock

Welche ökonomischen, philosophischen und sozialen Paradigmen liegen den Wirtschaftswissenschaften heute zugrunde? Das Nachdenken über die Entstehung von wirtschaftlichen Austausch- und Allokationsprozessen ist die Grundlage für das Verständnis der modernen Wirtschaftswissenschaften. Die Reflexion der vorherrschenden Denkschulen kann helfen, die Konzepte, die heute relevant sind und gelehrt werden, besser zu verstehen.

An zwei Tagen, Freitag, den 6.11., und Samstag, den 07.11., werden wir uns intensiv mit dem ersten Teil ökonomischer Geschichte befassen. Angefangen bei den Griechen und dem Alten Testament, arbeiten wir uns bis zur Marginalrevolution Ende des 19. Jahrhunderts vor. Diese Betrachtung von Grenznutzen und Grenzproduktivität, die gleichzeitig in Österreich, der Schweiz und England theoretisch fundiert wird bildet die Grundlage der Analysemethoden der heutigen Neoklassik.

Wir freuen uns sehr mit Professor Volker Caspari, Wirtschaftstheoretiker an der TU Darmstadt, einen Experten in der Geschichte des ökonomischen Denkens gewonnen zu haben. Professor Caspari wird uns am zweiten Tag des Workshops wertvollen Input geben.

Der Workshop findet am 06.11. von 10 bis 14 Uhr in Raum 332 und von 14 bis 16 Uhr in Raum E09 im WiWi-Seminar, Mohlstraße 36 und am 07.11. von 10 bis 15 Uhr in Raum E09 statt.

Mit folgenden Themen werden wir uns beschäftigen:

Erster Tag:

  • Das Gute, das Böse: Das Alte Testament
  • Die Griechen: Aristoteles & Oikonomia
  • Das Mittelalter und die Scholastiker: Aquinas
  • Die Merkantilisten und die Physiokratische Schule
  • Die Klassische Schule: Forerunners, Hume, Adam Smith
  • Die Klassische Schule: David Ricardo, Robert Thomas Malthus

Zweiter Tag:

  • Der Aufstieg sozialistischer Ideologien
  • Marxismus and Revisionismus
  • Die Deutsche Historische Schule
  • Der Aufstieg der Marginalisten: Gossen und Jevons, Österreichische Schule
  • Der Aufstieg der Marginalisten: Alfred Marshall
  • Blick in die Schweiz: Walras & Cournot

Anmeldung mit Angabe von Studienfach, Semesterzahl und Matrikelnummer bis spätestens 28.10. unter folgender E-Mail-Adresse: Katharina.Mau@gmx.net (maximale Teilnehmerzahl: 24)

Der Workshop richtet sich an interessierte Studierende aller Fachrichtungen und ist im Rahmen des Studium Professionale als überfachliche Studienanleistung mit 2 ECTS-Punkten anrechenbar. Ein ökonomisches Grundverständnis ist wichtig, um aktiv am Workshop teilnehmen zu können.

Der Workshop ist eine Vorbereitung auf die Organisation eines Seminars, welches zum ersten mal im Sommersemester 2016 stattfinden wird. Geleitet wird das Seminar dann in Kooperation mit den Philosophen Professor Claus Dierksmeier und Dr. Bernd Villhauer, welche am Weltethos-Institut forschen und lehren. Das Seminar wird dann auch als reguläre Veranstaltung, z.B. in den Elective Studies der Wirtschaftswissenschaftler anrechenbar sein. Wir möchten uns auf zwei Weisen an der Vervollständigung des ökonomischen Curriculums beteiligen:

  • Thematisch: Die Evolution der Wirtschaftswissenschaften ist ein konsistenter Prozess. Alles, was heute wissenschaftlich relevant erscheint, hat sich gegenüber anderen Denkschulen durchgesetzt. Andererseits wurde die Politische Ökonomik, zunächst die Betrachtung von Strömen und Größen in einer Nationalökonomie, in viele Teilbereiche getrennt und dadurch komplexer. Kein Wissenschaftler kann alle heute existierenden Theorien kennen und überblicken. Gerade aufgrund dieses fehlenden Überblicks ist die Kenntnis der wissenschaftlichen Entwicklungen, die zur heute prävalenten Neo-Klassik geführt haben, von großer Bedeutung – nicht zuletzt um ein Bewusstsein für ihre Stärken und Schwächen zu entwickeln und die Theorien gezielt auf wirtschaftliche Zusammenhänge anwenden zu können. Die Rückbesinnung auf die Anfänge und theoretisch-philosophischen Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften ist daher ein Beitrag zu ihrer Renaissance und Bedeutung in der Zukunft.
  • Methodisch: Die Reflexion von theoretischen Grundlagen und vor allem von Paradigmen und Annahmen, die nicht auf rein mathematischen Beweisen basieren, wird in den Hauptveranstaltungen der VWL nicht betrieben. Mit dem Seminar, welches die aktive Teilnahme, das Erarbeiten eines Referats, intensive Lektüre und das Verfassen von zwei kurzen Essays umfasst, wird ein Beitrag zur methodischen Vielfalt im Bachelor-Studium geleistet.