oikos ViennaChapter-Newsoikos Talk mit Damian Izdebski: Wie man ein Unternehmen nachhaltig betreibt und warum der Lerneffekt beim Scheitern immens sein kann

oikos Talk mit Damian Izdebski: Wie man ein Unternehmen nachhaltig betreibt und warum der Lerneffekt beim Scheitern immens sein kann

Vergangene Woche hatten wir Damian Izdebski, den Geschäftsführer von tecbold und Gründer von DiTech zu Gast. Dieser hat uns erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass DiTech 15 Jahre lang wunderbar gelaufen ist und warum er im Endeffekt mit dem Unternehmen scheiterte. Warum es im Handel ohne Wachstum nicht geht und wie es mit kleinen Märkten wie dem österreichischen ist.

Schon allein wegen der jährlichen Anpassungen bei Mieten und Lohnkosten ist es notwendig jedes Jahr mehr zu erwirtschaften. Dazu kommt dann noch, dass Produkte von Jahr zu Jahr billiger auf den Markt kommen, was das “Mehr”-Erwirtschaften noch schwieriger macht. Neben konstantem Wachstum ist es daher wichtig, konstant innovativ zu sein, um sich von seinen Mitbewerbern abheben zu können. DiTech beispielsweise war selten billigster Bieter in der Geizhals-Suchmaschine, hat sich aber durch Qualität des Produkts und eine umfassende Kundenberatung in den niedergelassenen Filialen hervorgetan, und die Kunden waren bereit für diesen Service zu bezahlen.

In Bezug auf das Scheitern meint Damian, dass er zwei Jahre vor Konkurs ein tolles Angebot bekommen hatte, DiTech zu verkaufen, mit dem stetigen Drang eines Unternehmers Dinge ständig weiterzuentwickeln und noch besser zu machen, hat er dieses ausgeschlagen mit der Aussicht in zwei Jahren noch einmal darauf zurück zu kommen. Im Nachhinein ist für ihn klar, dass es für das Überleben des Unternehmens wesentlich gewesn wäre, sich zusätzliche Investoren ins Unternehmen zu holen, um das Eigenkapital zu stärken, da die Abhängigkeit von Fremdfinanzierung bzw. von der Versicherung durch Kreditfinanzierer dem Unternehmen im Endeffekt das Genick gebrochen hat. Aber, gibt er zu, es ist gar nicht so einfach, sich zu so einem Schritt zu überwinden. Investoren erwarten zumeist die Mehrheit am Unternehmen und es ist schwierig für jemanden, der massiv Arbeit und Geld in das von ihm gegründete Unternehmen gesteckt hat, einen großen Anteil an seinem “Baby” an einen Dritten abzugeben.

Auf die Frage zum Onlinegeschäft und der Konkurrenz durch große Onlinehändler wie beispielsweise Amazon meint er, dass auch deren Konzept nicht auf Dauer angelegt ist, das wissen die auch – ähnlich bei Zalando und Co. Das Problem ist nur, wenn dieses Modell – seit letztem Jahr hat Amazon ja spätestens zumindest seinen Ruf stark eingebüßt – einmal nicht mehr funktioniert, sind alle anderen, kleineren Händler längst vom Markt verschwunden, weil sie damit einfach nicht mithalten können. Es liegt daher schon auch ein bisschen in der Verantwortung des/r Konsumenten/in, was und wie er/sie kauft. Das Billigste ist oft nicht das Beste und man muss sich darüber klar werden – hier ist auch die Politik gefragt – dass solche Unternehmen wie Amazon zu meist keine Wertschöpfung – Arbeitsplätze, Steuern – im Absatzland erwirtschaften, was uns Konsumenten/innen im Endeffekt teurer zu stehen kommt als die Preisdifferenz von ein paar Euro beim neuen Handy, Buch oder T-Shirt.

In Bezug auf das Scheitern, meint Damian, hat er viel, aber am meisten über die Menschen gelernt. Wer zu einem steht und weiter unterstützt und wer sich nur im Sonnenschein des bisherigen Erfolgs gesonnt hat, kommt da sehr schnell ans Tageslicht. Sich in einem Menschen zu täuschen, ist vermutlich die härteste und am nahesten gehende Lektion, die man einmal verkraften muss in so einer Situation.

Aber, was er auch gelernt hat, unter anderem auch durch seine Zeit in Amerika nach Konkurs der DiTEch GmbH, ist, dass man auf jedenfall wieder aufstehen und so viel wie möglich mitnehmen muss aus diesen “wirtschaftlichen Nahtoderfahrungen”. Inzwischen hat er sich gemeinsam mit ein paar ehemaligen Mitarbeitern mit zwei Unternehmen selbstständig gemacht. Eines nimmt sich der Reparatur von elektronischen Geräten an und das andere beschäftigt sich mit Netzwerklösungen, darin sieht er die Zukunft. Dabei steht für ihn ganz klar der/die Mitarbeiter/in im Vordergrund, weil diese/r in Kontakt mit dem/ Kunden/in steht und gutes Kundenservice das A und O für deren Zufriedenheit und eine langfristige Bindung ans Unternehmen ist.

Abschließend kommt ein Teilnehmer auf die – vermutlich unumgängliche – Frage, die uns junge Studierende massiv beschäftigt: Wie baut man erfolgreich ein Unternehmen auf und was braucht man dazu?

Damians Antwort dazu war so kurz wie “einfach” (oder eigentlich nicht, wenn man sichs dann genauer überlegt): Mach es! Wesentlich wichtiger als ein Businessplan – Papier ist geduldig – ist die Begeisterung für das Projekt und der Mut es umzusetzen. Viele werden kommen und erklären, warum etwas nicht funktionieren wird/kann oder warum man das nicht braucht, aber davon darf man sich nicht abhalten lassen. Man muss das Rad nicht neu erfinden, man muss es nur besser bzw. anders machen als die anderen und am wichtigsten: Man muss es wirklich machen. Wenn man mit dem Projekt scheitert, steht man wieder auf, sucht sich etwas Neues und versucht die im Scheitern gelernten Lektionen sinnvoll anzuwenden. Einen besseren und intensiveren Lernprozess gibt es beim Unternehmertum nicht, schon gar nicht, wenn man sich nie traut und ewig bei der Theorie bleibt.

Auch, meint er, ist es wichtig sich darüber im Klaren zu sein, das Unternehmertum (speziell am Anfang, aber eigentlich immer) vor allem viel Arbeit und Durchhaltevermögen bedeutet (aber natürlich auch Spaß und Erfolgserlebnisse). Wer auf schnelles Geld und ein schickes Auto aus ist, ist da meist falsch. Solche Projekte gibt es erstens selten und beruhen zweitens auf einem kurzfristigen Hype, der selten in der Etablierung eines nachhaltig erfolgreichen Unternehmens endet.

Ein langfristiger Unternehmer braucht an erster Stelle Feuer für die Sache, statt die Sache lediglich als Mittel zum Zweck des schnellen Geldes zu sehen.

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Von Anna Beyer